Basler Standortpaket, Förderbereich Innovation: 25 % auf F&E-Personalaufwand, Abschreibungen und klinische Studien
Basel-Stadt speist jährlich 150 bis 500 Mio. CHF in zwei Fonds, 80 % davon für Innovation. Im Förderjahr 2025 wurden 246 Mio. CHF an 88 Gesuchstellende ausbezahlt. Berechtigt sind Unternehmen jeder Grösse mit Steuerpflicht im Kanton, nicht nur die Pharma.
1Wer ist berechtigt?
Juristische Personen mit unbeschränkter Steuerpflicht in Basel-Stadt, oder mit beschränkter Steuerpflicht und einer F&E-Anlage im Kanton mit mindestens 100'000 CHF Abschreibung pro Jahr. „Ein Antrag lohnt sich für Unternehmen jeder Grösse", schreibt der Kanton selbst.
- Innovationskriterium: F&E-Aufwand von mindestens 5 % der Gesamtaufwendungen im Dreijahresschnitt, oder Zugehörigkeit zu einem innovationsintensiven Wirtschaftszweig nach der Liste des Bundesamts für Statistik (NOGA-Code im UID-Register).
- Ordentliche Revision der Jahresrechnung plus eine Bestätigung der Revisionsstelle zu den im Gesuch geltend gemachten Berechnungsgrundlagen. Die Bestätigung darf eine andere zugelassene Revisionsgesellschaft erstellen als die ordentliche Revision.
- Arbeitsort: Gefördert wird Personalaufwand für Mitarbeitende mit vertraglichem und faktischem Arbeitsort zur Hauptsache in Basel-Stadt (volle Sätze) oder in der übrigen Nordwestschweiz, also Basel-Landschaft, Jura, Bezirke Rheinfelden, Laufenburg, Dorneck und Thierstein (10 %). Nachweis über Mietvertrag, Flächennachweis, ergänzend Homeoffice-Regelung.
- Keine Doppelförderung derselben Kosten; die Beiträge sind mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen und der Eidgenössischen Steuerverwaltung als OECD-konform abgestimmt.
2Wie hoch ist der Beitrag?
Die Sätze sind nach der Höhe der Aufwendungen gestaffelt, nicht nach Unternehmensgrösse. Kleinere Unternehmen profitieren dadurch vom höchsten Satz.
| Fördergegenstand | Basel-Stadt | Übrige Nordwestschweiz / Schweiz |
|---|---|---|
| F&E-Personalaufwand | 25 % bis 5 Mio. CHF, 20 % von 5 bis 50 Mio., 5 % darüber; plus 3 Prozentpunkte bei angemeldetem oder erteiltem Patent | 10 % (Nordwestschweiz) |
| Abschreibungen auf F&E- und Hightech-Produktionsanlagen | 25 % bis 1 Mio. CHF, 20 % von 1 bis 5 Mio., 5 % darüber; plus 3 Prozentpunkte bei Patent | 10 % (übrige Schweiz) |
| Klinische Studien | 10 % des Sachaufwands für Studien in der Schweiz und die Herstellung der Wirkstoffe | |
| Form | Direkter Förderbeitrag aus dem Fonds für Innovation; bei Übernachfrage proportionale Kürzung durch das AWA, Kürzungssatz legt der Regierungsrat fest | |
Daneben fördert das Standortpaket Umweltmassnahmen (40 % der Investitionskosten in Basel-Stadt, 20 % in der übrigen Schweiz, Mindestbetrag 2'000 CHF), klimaberichtbasierte Reduktionen (30 CHF je Tonne CO₂-Äquivalent) und freiwillige Elternzeit (bis drei Wochen, 80 % des Lohns, maximal 220 CHF pro Tag).
Rechenbeispiel
Personal Nordwestschweiz 200'000 × 10 % = 20'000
Abschreibungen 300'000 × 28 % = 84'000
3Was gehört ins Gesuch?
Das Basler Gesuch wird im ePortal des Kantons mit sechs Upload-Dokumenten eingereicht. Es verlangt die sauberste Buchhaltungsherleitung der drei Programme und eine inhaltliche Dokumentation nach den Frascati-Kriterien.
- Nachweis der F&E-Aufwendungen (Excel-Vorlage). Herleitung von der Jahresrechnung über Kostenarten und Kostenstellen bis zum förderfähigen Betrag, belegt mit Auszügen aus Buchhaltung oder ERP. Personalliste je Mitarbeitenden mit Personalnummer, Funktion, Arbeitsort, Pensum, förderfähigem Anteil, Personalaufwand und beantragtem Betrag. Abschreibungen je Anlage, klinische Studien mit Studiennamen.
- Beschreibung der Tätigkeiten. F&E-Bereiche, Projekte, Hochtechnologieproduktion. Alle fünf Frascati-Kriterien müssen gleichzeitig erfüllt sein: neuartig, schöpferisch, ungewiss, systematisch, übertragbar. Kundenprojekte ohne eigenes technisches Risiko gelten „in der Regel nicht" als F&E; enthaltene F&E-Anteile brauchen pro Projekt ein Projektblatt mit Hypothese, Unsicherheit, methodischem Vorgehen und Ergebnissen.
- Beschreibung der Zuordnung. Nach welchen Kriterien Personalaufwand und Abschreibungen der F&E zugeordnet wurden: Zeitanteile, Projekte, Kostenstellen. Umsatz- oder Gewinnschlüssel sind unzulässig.
- Nachweis der physischen Arbeitsplätze am Standort: Mietvertrag, Flächennachweis, Homeoffice-Regelung.
- Allgemeine Unterlagen: IBAN-Bestätigung, NOGA-Code aus dem UID-Register, ordentlich revidierte Jahresrechnung, Revisionsbestätigung zu den Berechnungsgrundlagen (nach Abschluss nachreichbar).
- Zusätzlich falls zutreffend: Nachweis der F&E-Quote über 5 %, Patentregisterauszug mit Erläuterung des Geschäftsbezugs, Verträge für klinische Studien, Steuerveranlagung bei beschränkter Steuerpflicht.
Das AWA prüft die Gesuche und kann bis fünf Jahre nach der Verfügung Stichprobenkontrollen vor Ort durchführen. Die Revisionsstelle bestätigt nach Prüfungsstandard 920 die Übereinstimmung der Zahlen mit der Buchhaltung und stichprobenweise den Arbeitsort; ob eine Tätigkeit F&E ist, verantwortet das Unternehmen. Planen Sie Zeit für die Registrierung im ePortal und die AGOV-Authentifizierung ein.
4Zeitplan und Fristen
| Wann | Was |
|---|---|
| 30. Juni 2026 | Gesuchsfenster 2026 (Geschäftsjahr 2025) geschlossen; Verfügungen bis Dezember 2026, Auszahlung bis März 2027 |
| Frühjahr 2027 | Gesuchsfenster 2027 für das Geschäftsjahr 2026; der Kanton publiziert die Merkblätter des Gesuchsjahres vorab |
| Jährlich | Gesuch je Geschäftsjahr, Webinare des AWA mit den Wirtschaftsverbänden zum Start des Fensters |
5Typische Fehler
- Zuordnung nach Umsatz- oder Gewinnanteil statt nach Zeit, Projekt oder Kostenstelle.
- Kundenprojekte ohne Projektblatt als F&E deklariert; reines Customizing und IT-Dienstleistung erfüllen die Kriterien meist nicht.
- Geschäftsleitung, Marketing, Vertrieb, Leiharbeit, externe Beratende oder konzernintern verrechnete Personalkosten mitgezählt.
- Arbeitsort nicht plausibilisiert: Wer überwiegend im Homeoffice ausserhalb der Nordwestschweiz arbeitet, zählt nicht oder nur mit 10 %.
- Revisionsbestätigung vergessen oder eingeschränkte statt ordentliche Revision.
- F&E-Quote unter 5 % und kein innovationsintensiver NOGA-Code: dann fehlt die Berechtigung, unabhängig von der Qualität des Gesuchs.
6Häufige Fragen
Wir sind ein IT-Dienstleister mit Kundenprojekten. Haben wir eine Chance?
Zählt die Zulassungsabteilung?
Unser Team arbeitet teils im Homeoffice in Baselland.
Wir haben kein Patent. Verlieren wir viel?
Wer darf das Gesuch einreichen?
Geschäftsjahr 2026 vorbereiten, Gesuch im Frühjahr 2027
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